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Aufbruch der Autorinnen

»DAS ERZÄHLMOTIV DER DOPPELTEN HELDIN VERBINDET DIE FILME. ES STEHT FÜR EIN GEGENKONZEPT ZUR AUFFASSUNG DER KLASSISCHEN HELDIN.«

Eine aus 21 Spielfilmen von 18 Filmemacherinnen aus 7 Ländern bestehende Retrospektive machte im vergangenen Jahr in Berlin deutlich, dass es in den 1960er Jahren in Europa einer ersten Generation von jungen Frauen gelang, als Autorinnen abendfüllende Filme zu drehen. Die Filmreihe belegte außerdem die These, dass der kritische Blick dieser jungen Frauen auf die in Ost und West von Männern dominierten Lebenswelten ein ebenso grenz- und systemüberschreitendes Phänomen war wie die (ödipale) Rebellion der jungen Regisseure gegen die überkommenen gesellschaftlichen Strukturen und filmischen Konventionen dieser Zeit.

Diese Regisseurinnen, die sich als Einzelkämpferinnen verstanden und die nie zusammen aufgetreten sind und die erstmals in der von Sabine Schöbel kuratierten Filmreihe in einen Zusammenhang gestellt wurden, stehen in der Filmgeschichte zwischen der feministisch geprägten Generation von Filmemacherinnen der 70er und 80er Jahre und einigen singulären Figuren der früheren Filmgeschichte wie Germaine Dulac, Wanda Jakubowska, Muriel Box, Jacqueline Audry. Neben Filmen der bekannten Vertreterinnen der › European Sixties ‹ Věra Chytilová, Agnès Varda und Mai Zetterling wurde auch das Frühwerk von Filmemacherinnen gezeigt, die erst später bekannt wurden. Etwa Lina Wertmüller, Márta Mészáros, Liliana Cavani, Judit Elek und Kira Muratowa. Regelrechte Entdeckungen für das Publikum waren die fast unbekannten Arbeiten von Anna Gobbi, Paula Delsol, Nadine Trintignant und Lívia Gyarmathy.

Die Zugehörigkeit der gezeigten Spielfilme zum (großen) Kino der 1960er wird deutlich zum einen durch ihre Stars wie Annouk Aimée, Michael Lonsdale, Elsa Martinelli oder Manyi Kiss und zum anderen durch die Tatsache, dass sie sowohl mit den Formaten experimentieren als auch das Genrekino bedienen. Anders als die allegorischen Frauenfiguren, wie wir sie von Kluge, Makavejev, Jakubisko und Godard kennen, verkörpert das Erzählmotiv der doppelten Heldin und das in verschiedene Richtungen drängende weibliche Duo nicht die Revolte des autonomen Subjekts, sondern eine Art Balanceakt zwischen Tradition und Aufbruch.
_Sabine Schöbel

US / FR
1969
Spielfilm
110’

Kalenderblatt für Kalenderblatt berichtet Agnès Varda von den Geschehnissen, die vom 1. bis 9. Juni 1968 in der in Hollywood […]

IT
1967/68
Spielfilm
103’

Il mio corpo per un poker gilt als der »einzige weiblich-feministische Spaghetti-Western« und ist Lina Wertmüller zufolge »ein Fall, wie […]

US / DE
2015
Dokumentarfilm
90’

Kunst an der Grenze zum Unbeherrschbaren zu machen, das war Eva Hesses Passion. Über zwanzig Gruppenausstellungen hatte sie für das […]

Von etwas anderem

Věra Chytilová

CZ
1963
Spielfilm
82’

Von etwas anderem handelt dieser Film, für den Věra Chytilová 1963 den Hauptpreis der Mannheimer Filmfestspiele erhielt. Chytilová präsentiert nicht […]