Programm

Fokus

Mexiko

»DAS KINO BESTEHT FÜR MICH AUS BILDERN, LICHT, TEMPO UND EMOTIONEN. MIT BILDERN KONSTRUIERE ICH DISKURSE.«
TATIANA HUEZO, TAZ, 18.02. 2016

Im Rahmen des offiziellen Deutschlandjahres in Mexiko 2016/17 präsentiert das IFFF Dortmund | Köln einen Länderschwerpunkt zum Filmland Mexiko.

Mexiko verfügt über eine der reichsten Kinematografien Lateinamerikas. Eine der mexikanischen Filmpionierinnen ist die Filmemacherin Adela Sequeyro, die 1937 mit La mujer de nadie den ersten von einer mexikanischen Regisseurin gedrehten Tonfilm realisierte. In dem Melodram spielt sie selbst die Hauptrolle der jungen Ana María, die im 19. Jahrhundert vor ihrem brutalen Stiefvater flieht und in der mexikanischen Boheme Zuflucht findet.

Die Zahl weiblicher Filmemacherinnen stieg seither und vor allem seit den 1990er Jahren kontinuierlich an. In zahlreichen Spiel- und Dokumentarfilmen zeigen die Regisseurinnen die Problematiken ihres Landes auf.

Mexiko besitzt ein reiches Kulturerbe und ist berühmt für seine Hochkulturen. Das Land dient auch politisch Verfolgten als Exilland. Doch aktuell schreibt Mexiko vor allem negative Schlagzeilen: organisierte Kriminalität, Drogenkrieg, Menschenhandel, Korruption, vor allem das gewaltsame Verschwindenlassen von Menschen verbreitet Angst und Unsicherheit. Der Kampf gegen das organisierte Verbrechen und die Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Drogenkartellen fordern ständig neue Opfer. Laut Amnesty International ist derzeit der Verbleib von rund 27.000 Menschen in Mexiko unbekannt. Gerade Frauen werden oft Opfer der Gewalt. Laut Auswärtigem Amt nimmt die Gewalt gegen Frauen weiter zu. Die Regisseurinnen aus Mexiko spiegeln diese Zustände in ihrem aktuellen Filmschaffen. Sie widmen sich explizit sozialpolitischen Inhalten, berichten von Gewalt und Unterdrückung und erkunden so ihre persönliche und kulturelle Identität innerhalb der urbanen und sozialen Realitäten. Regisseurin Tatiana Huezo thematisiert in ihrem Kurzfilm Ausencias das gewaltsame Verschwindenlassen von Menschen und die Auswirkungen auf Frauen. In ihrem beeindruckenden Dokumentarfilm Tempestad, der auf der diesjährigen Berlinale vorgestellt wurde, erzählt sie von einer jungen Mutter, die unschuldig verhaftet und in ein Privatgefängnis übergeben wird, das unter der Kontrolle des Golf-Kartells steht. Die weiteren Filme handeln von den Verbrechen an Aktivistinnen in Ciudad Juárez (Seguir viviendo), dem Kampf gegen historische Amnesie und gegen Straffreiheit (Tiempo suspendido), der Suche zweier Geschwister nach ihrer wahren Identität (Trazando Aleida) oder der Situation von Obdachlosen und dem Dilemma einer Sozialarbeiterin in Mexiko-Stadt (A los ojos).

Diese Themensetzungen sind maßgeblich für die Entwicklung neuer Erzählmechanismen und hybrider Filmsprachen sowie eine Erneuerung des feministischen Diskurses im lateinamerikanischen Kino.

In einer Diskussionsveranstaltung mit Filmbeispielen geben unsere Gäste aus Mexiko über ihre Arbeit und den thematischen Schwerpunkt der Gewalt und des Verschwindenlassens Auskunft. Wir freuen uns auf viele spannende Begegnungen!

_Kuratorinnen: Sonja Hofmann (verantw.), Patricia Torres San Martín

Eine Veranstaltung im Rahmen des Dualen Jahres Mexiko- Deutschland 2016/17. In Kooperation mit der Botschaft von Mexiko, dem Mexikanischen Filminstitut IMCINE und der Landeszentrale für politische Bildung NRW.

A los ojos

Michel Franco, Victoria Franco

MX
2015
Spielfilm
71’

Die alleinerziehende Mónica arbeitet als Sozialarbeiterin in Mexiko-Stadt. Ihr Job ist es, obdachlosen, häufig drogenabhängigen Teenagern zu helfen, von der […]

Ausencias

Tatiana Huezo

MX / SV
2015
Dokumentarfilm
28’

Lulú ist nur noch die Hülle ihrer selbst, seit vor vier Jahren ihr Ehemann und ihr 9-jähriger Sohn aus dem […]

DE
2014
Dokumentarfilm
90’

Das Bild des musizierenden, Sombrero und Cowboystiefel tragenden Mariachi in engen Hosen ist eine der bekanntesten Assoziationen mit der mexikanischen […]

DE
2017
Webvideo
2’

Am Tag nach dem Anschlag in der Keupstraße schloss Innenminister Schily einen rechtsterroristischen Hintergrund aus.

La mujer de nadie

Adela Sequeyro

MX
1937
Spielfilm
82’

Die junge Ana María muss vor ihrem brutalen Stiefvater fliehen und ihr Zuhause verlassen. Bei drei befreundeten Künstlern findet sie […]

DE
2015
Experimentalfilm
3’

Rigoletti ist auf der Berlinale als Reporterin unterwegs. Im Auftrag von Pro Quote Regie findet sie heraus, welcher Frauenfilm-Typ sie […]

Sabrás qué hacer conmigo

Katina Medina Mora

MX
2015
Spielfilm
86’

»Es war mir von Anfang an sehr klar, dass dies ein Film über zwei Personen mit unterschiedlichen Ängsten vor dem […]

Seguir viviendo

Alejandra Sánchez

MX
2014
Spielfilm
81’

In den Bandenkriegen von Ciudad Juárez wird die Mutter der Teenager Jade und Kaleb schwer verletzt. Eine Journalistin soll die […]

Tempestad

Tatiana Huezo

MX
2016
Dokumentarfilm
105’

Eine junge Mutter wird gemeinsam mit einer Gruppe anderer Unschuldiger des Menschenhandels angeklagt und in ein Gefängnis verschleppt, das unter […]

Tiempo suspendido

Natalia Bruschtein

MX
2015
Dokumentarfilm
64’

Die 86-jährige Laura Bonaparte, Großmutter der Regisseurin, kämpfte von den späten 1970er bis in die Anfänge der 1980er Jahre gegen […]

Trazando Aleida

Christiane Burkhard

MX
2008
Dokumentarfilm
88’

Seit fünf Jahren kennt die 31-jährige Aleida Gallangos ihre wahre Identität. Aufgewachsen in einer Adoptivfamilie, hat sie mit Mitte zwanzig […]