Programm

Internationaler Debüt-Spielfilmwettbewerb

Das Filmschaffen von Frauen in seiner ganzen Vielfalt, Schönheit und Widersprüchlichkeit

Filmdebüts sind ein Gradmesser für die Themen, die jungen Filmemacher* innen unter den Nägeln brennen. Sie zeugen vom Ideenreichtum der nachfolgenden Generation und vermitteln eine Ahnung davon, wohin sich das Filmschaffen bewegen kann. Fakt ist, dass die Zahl der Filme von Frauen weiter kontinuierlich steigt – eine Rekordzahl von 150 Debüt-Spielfilmen aus 50 Nationen stand in diesem Jahr in der Vorauswahl. Und so wird auch das Schlagwort unserer Zeit – Diversity / Vielfalt – fast mühelos eingelöst. Die Vielfalt der Geschichten und der Formensprache ist überwältigend. Zum ersten Mal sind zwei Filme aus Afrika im Wettbewerb zu sehen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da ist der magische Surrealismus von I Am Not a Witch aus Sambia, in dem Rungano Nyoni mit eigenwilligen Einstellungen das Bild einer sich in archaischen Ritualen selbst lähmenden Stammesgemeinschaft zeichnet. Die tunesische Regisseurin Sarra Abidi setzt für die berührende Auseinandersetzung mit von Migration betroffenen Familien in Benzine dagegen auf einen dokumentarischen Realismus. Ähnlich wie Nyoni, deren Film der erste überhaupt ist, der alle vom British Film Institute formulierten Kriterien für Diversity Standards erfüllt, geht auch Fanni Metelius mit Hjärtat einen spannenden Weg, um einem altbekannten Genre – der Romanze – ein gendergerechtes Innenleben zu geben. Wir sehen im Wettbewerb Menschen vieler Hautfarben, Generationen und Herkünfte – alleinerziehende Väter, eine arabische Deutschlehrerin, eine schwangere Rugbyspielerin. Und wir sehen Bildpolitiken, die sich auf dem Weg befinden, dem Film eine gerechtere Zukunft zu weisen. Das macht viel Hoffnung.
_Stefanie Görtz

Kuratorinnen:

Preisträgerinnen
2022: Gessica Généus Freda (HT / FR / BJ)
2020: Maya Da-Rin A Febre (BR/DE/FR)
2018: Carla Simón Estiu (ES)
2016: Ana Cristina Barragán Alba (EC)
2014: Neus Ballús La Plaga (ES)
2012: Belma Baş Zefir (TR)
2010: Susanna Nichhiarelli Cosmonauta (IT)
2008: Aurélia Georges L’Homme Qui Marche (FR)
2006: Claudia Llosa Madeinusa (PE)

Jury

Muriel Coulin

Muriel Coulin wurde in der Bretagne in Frankreich geboren. Nach ihrem Abschluss an der École Nationale Supérieure Louis Lumière arbeitete sie als Assistentin für Regisseure wie Louis Malle, Krzysztof Kieslowski und Aki Kaurismäki. Anschließend begann sie ihre Karriere als Filmemacherin mit Dokumentarfilmen und Kurzspielfilmen. Ihr Langspielfilm 17 Mädchen, bei dem sie gemeinsam mit ihrer Schwester Delphine Regie führte, wurde bei der Semaine de la Critique in Cannes 2011 ausgezeichnet. Ihr zweiter Film Die Welt sehen erhielt 2016 in Cannes in der Sektion Un Certain Regard den Preis für das beste Drehbuch und gewann den Internationalen Spielfilmwettbewerb des IFFF Dortmund | Köln 2017. Die Belange von Frauen sind ein wichtiger Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Ildikó Enyedi

Ildikó Enyedi begann ihre Karriere als Konzept- und Medienkünstlerin und wandte sich später als Regisseurin und Drehbuchautorin dem Film zu. Sie war Mitglied des Balázs Béla Studio, des einzigen unabhängigen Filmstudios in Osteuropa vor 1989. Als Drehbuchautorin und Regisseurin realisierte Enyedi fünf Langspielfilme und mehrere Kurzfilme und gewann über 40 internationale Preise, darunter den Goldenen Bären für Körper und Seele auf der Berlinale 2017. Ihr Film Mein 20. Jahrhundert (1989) wurde unter die besten ungarischen Filme aller Zeiten gewählt. Sie unterrichtet Film in Meisterklassen und an der Theater- und Filmhochschule in Budapest. Sie ist Mitglied der European Film Academy und der American Film Academy.
Sie ist Mutter von zwei Kindern und lebt in Budapest.

Ursula Strauss

Ursula Strauss studierte Schauspiel am Wiener Volkstheater. Bereits während ihrer Ausbildung wurde sie an mehreren Theatern in Deutschland und Österreich verpflichtet. Ihr Durchbruch gelang ihr mit den Kinofilmen Böse Zellen von Barbara Albert und Revanche von Götz Spielmann.
Für ihr Schauspiel wurde sie vielfach ausgezeichnet: Vier Mal erhielt sie die Romy als beste Schauspielerin, zwei Mal den Preis der Diagonale. Sie wurde mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet und war für den Deutschen Schauspielerpreis nominiert. Strauss hat mit Film- und Fernsehregisseur*innen wie Barbara Albert, David Schalko, Götz Spielmann, Nikolaus Leytner, Nils Willbrandt und Wolfgang Murnberger gearbeitet. Sie ist Präsidentin der Akademie des Österreichischen Films.

Benzine

Sarra Abidi

TN
2017
Spielfilm
90’

Seit neun Monaten haben Salem und Halima nichts von ihrem Sohn gehört. Ahmed, der sich zuvor wie viele in der […]

Con el viento

Meritxell Colell Aparicio

ES / AR / FR
2018
Spielfilm
108’

Die 47-jährige Mónica lebt seit 20 Jahren als Tänzerin in Buenos Aires, als sie von einer Nachricht eingeholt wird: In […]

Dopo la guerra

Annarita Zambrano

IT / FR
2017
Spielfilm
92’

2002 beendete Frankreich die Mitterand-Doktrin, die nach Frankreich geflohene italienische Linksterroristen vor der Auslieferung schützte. Im selben Jahr wurde der […]

Fridas Sommer

Carla Simón

ES
2017
Spielfilm
96’

Nachdem das letzte Hab und Gut ihrer verstorbenen Mutter verpackt ist, geht es für die 6-jährige Frida hinaus in die […]

Hjärtat

Fanni Metelius

SE
2018
Spielfilm
100’

Dass die Fotografin Mika und der Musiker Tesfay ein Paar werden, ist ganz offensichtlich eine gute Idee. Sie sind jung, […]

I am Not a Witch

Rungano Nyoni

GB / FR / DE / ZM
2017
Spielfilm
92’

Die 8-jährige Shula streift arglos umher, als eine Frau ihren Weg kreuzt und unvermittelt stürzt. In diesem abgelegenen Landstrich Sambias […]

Jibril

Henrika Kull

DE
2018
Spielfilm
83’

Berlin, 2018. Maryam ist berufstätig, alleinerziehend und steht fest im Leben. Dann begegnet sie Jibril, der eine mehrjährige Gefängnisstrafe absitzt. […]

Medea

Alexandra Latishev

CR / AR
2017
Spielfilm
73’

Das Leben der 25-jährigen María José scheint unspektakulär, fast monoton: Universitätskurse, Rugby-Training, ein bisschen Geplänkel mit ihrem schwulen Freund, die […]