Tu crois que la terre est chose morte
You Think the Earth is a Dead Thing
Florence Lazar
Ein Viertel Martiniques ist verseucht. Nicht durch eine Naturkatastrophe, es ist eine koloniale Vergiftung, mit Frankreich als Mittäter. Jahrzehntelang wurde Chlordecon – ein extrem giftiges Pestizid – auf die Felder gekippt, um die Bananenwirtschaft zu erhalten, die direkt aus dem Plantagensystem hervorgegangen ist. Boden, Wasser und Menschen wurden geopfert. Dieses Verbrechen ist die materielle Fortsetzung des Kolonialismus.
You Think the Earth is a Dead Thing widersetzt sich einer entpolitisierten weißen Ökologie, die von einer »Krise« spricht, ohne jemals die Schuldigen zu benennen. Hier ist die Erde lebendig, durchdrungen von Erinnerungen an Versklavung, Ausbeutung und Umwelt-Rassismus. Martinique zu vergiften ist Kolonialisierung mit anderen Mitteln und zeigt, dass manche Leben weniger wert sind als Profit.
Doch gegen diese Vergiftung hält der Widerstand an. Er wurzelt in Wissen, das lange kriminalisiert wurde: die Heilpraktiken der Maroons, Menschen, die dem Sklavensystem entflohen und sich ein autonomes Leben aufbauten. Pflanzenkenntnis, Heilung im Einklang mit der Natur, ein verändertes Verhältnis zum Boden: Diese Gesten sind Akte einer Zäsur. Sie ermöglichten damals das Überleben außerhalb der Plantage; heute ermöglichen sie den Kampf gegen die koloniale Vergiftung. Der Film bekräftigt eine einfache und radikale Wahrheit: Ohne Dekolonisierung gibt es keine Ökologie. Die Erde zu heilen, ohne sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, ist eine Lüge. Solange Erde als tote Masse misshandelt wird, wird der Kolonialismus weiterwirken.
Gäste: Sam Leter, Elisa Hubbel, Maja Boukella
In Kooperation mit Decolonial Filmfestival
Florence Lazar
Florence Lazar ist eine französische Filmemacherin und bildende Künstlerin. Seit 20 Jahren werden ihre Videos, Fotografien und Installationen international in Museen und Zentren für zeitgenössische Kunst gezeigt. Ihre Filme thematisieren häufig Krisensituationen. Kamen, the Stones wurde 2014 beim Festival Cinéma du Réel mit dem Preis des Institut Louis Marcorelles ausgezeichnet. 2019 fand im Jeu de Paume in Paris eine Retrospektive ihrer fotografischen Arbeiten sowie ihrer Video- und Filmarbeiten statt. Ihre Werke wurden unter anderem im Musée d’art Moderne de la Ville de Paris, im Centre Georges Pompidou, im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus und in der Film Society of Lincoln Center in New York gezeigt.
Filme von Florence Lazar
Under the Leaves 2024 | 125 hectares 2019 | Kamen, the Stones 2014 | Les Bosquets 2011, The Attendants 2009 | The Priest 2008