Chão
Camila Freitas
Chão begleitet über vier Jahre eine der größten basisorganisierten Bewegungen Lateinamerikas: das »Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra« (MST). Seit Jahrzehnten kämpft es gegen die extreme Landkonzentration in Brasilien sowie für Agrarreform, bezahlbares Wohnen und ein würdiges Leben auf dem Land. Im Bundesstaat Goiás besetzen rund 600 Familien die Zuckerrohrplantage eines Großkonzerns – mitten in einer Region, die vom Agro-Business und seinen Monokulturen geprägt ist.
Camila Freitas filmt den Alltag des Widerstands aus nächster Nähe und begleitet einige zentrale Personen wie Grandma, PC und andere Genoss*innen. Der Traum vom eigenen Land wird zum täglichen Widerstand: Plena und politische Bildung, kollektive Entscheidungen, improvisierte Küchen, Kinder, die zwischen Barrikaden spielen, und die harte Arbeit, aus besetztem Boden ein bewohnbares Territorium zu machen. Während Verhandlungen, Drohungen und die ständige Gefahr einer Räumung die Gemeinschaft unter Druck setzen, entsteht zugleich ein Möglichkeitsraum: für Solidarität, Nahrungssouveränität und eine Zukunft jenseits extraktiver Modelle, die Menschen und Landschaften verschleißen.
Chão zeigt Agrarreform nicht als abstraktes Programm, sondern als gelebte Praxis – und stellt die Frage, wem Land gehört und wer das Recht hat, darauf zu bleiben. Zwischen Hoffnung und Erschöpfung wird der Kampf um Land zu einer Schule des Zusammenlebens, getragen von Gesang, Arbeit und gegenseitiger Fürsorge.
Gast: Camila Freitas
Awards for ›Chão‹
Festival do Rio
Olhar de Cinema
International Filmfestival Innsbruck
Festival International Jean Rouch
Camila Freitas
Camila Freitas ist Filmemacherin und Bildgestalterin, sie lebt in Frankreich und Brasilien. Sie studierte Film an der UFF (Rio de Janeiro), Bildgestaltung an der École Louis Lumière (Paris) und erwarb einen Master in Bildender Kunst an der Federal University of Rio de Janeiro. Derzeit promoviert sie im SACRe Programm an La Fémis (Paris). Ihre künstlerische Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Kino, Bildender Kunst und visueller Anthropologie. Ihr Film Chão premierte im Forum der Berlinale und wurde international gezeigt und ausgezeichnet. Ihre Arbeiten waren zudem in Gruppenausstellungen zu sehen, u. a. bei der 22. Sesc-Videobrasil Biennale. In jüngeren Projekten widmet sie sich afrobrasilianischen Kosmologien, darunter Livusias, ein hybrides Langfilmprojekt.
Filme von Camila Freitas
Aparição 2024 | Ararat 2014 | De asfalto e Terra Vermelha 2010 | Passarim 2003