Un Dessert pour Constance
Sarah Maldoror
Mamadou und Bokolo, die bei der Pariser Müllabfuhr arbeiten, finden in einer Tonne das antike Kochbuch Monographie de la cuisine von 1888, eine kulinarische Bibel französischer Rezepte und Tischsitten. Anders als der französische Metzger, der sich keinen Deut um das Buch schert und mit Fleischabfällen in die Tonne haut, ist Mamadou begeistert und teilt die besten Rezepte und krudesten Infos mit seinen Freunden. Er lebt mit Kollegen beengt in einem Quartier ohne Fenster: Etagenbetten, ein Tisch in der Mitte, an dem zusammen gegessen und gescherzt wird. Trotz der prekären Verhältnisse ist dies ein warmer und herzlicher Ort, an dem man aufeinander Acht gibt und sich unterstützt. Sorgen macht sich die Gemeinschaft vor allem um Boko, der schwer erkrankt nur noch den Wunsch hat, in die Heimat zurückzukehren. Um das Geld für ein Ticket zu organisieren, bewerben sie sich mit ihrer angelesenen Gourmet-Expertise als Kandidaten für eine kulinarische TV-Quiz Show.
Sarah Maldorors uneingeschränkte Sympathie mit der Gruppe trägt den Film und setzt mit sarkastischem Humor Alltags-Rassismen schachmatt. Sie nimmt die französische Obsession für die Haute Cuisine und andere bourgeoise Attitüden aufs Korn und feiert in kontrastierenden Bildern und dem Soundtrack westafrikanische Kultur und Traditionen; eine zutiefst berührende Hommage an die Solidarität der afrikanischen Diaspora in Paris.
Gast: Annouchka de Andrade
Sarah Maldoror
Sarah Maldoror (1929–2020) war politische Aktivistin, Theatermacherin und Filmemacherin karibischer und französischer Abstammung. 1956 gründete sie in Paris die Compagnie d’Art Dramatique des Griots, die erste Gruppe mit afrikanischen und afro-karibischen Schauspieler*innen. Sie besuchte eine Schauspielschule in Paris und erhielt 1961 ein Stipendium für ein Filmstudium bei Mark Donskoi in Moskau. Sie war Pionierin des panafrikanischen Kinos. Ihr erster Kurzfilm wurde 1971 in Cannes gezeigt. Sie solidarisierte sich mit den Befreiungsbewegungen in Guinea, Algerien und Guinea-Bissau, zusammen mit ihrem Partner Mario Pinto de Andrade. Ihr Werk von über 40 Filmen begleitete eng die wichtigsten Bewegungen des 20. Jahrhunderts – Négritude, Panafrikanismus, Feminismus und Kommunismus.
Filme von Sarah Maldoror
Eia pour Césaire 2009 | L’enfant cinema 1997 | Aimé Césaire, le masque des mots 1986 | Un carnaval dans le Sahel 1979 | Et les chiens se taisaient 1978 | Des fusils pour Banta 1970 | Monamgambée 1968