ÔRÍ
Raquel Gerber
ÔRÍ (»Kopf« auf Yoruba) ist ein essayistischer Dokumentarfilm, der in enger Zusammenarbeit mit der Historikerin und Aktivistin Beatriz Nascimento das Entstehen und die Selbstorganisation der Schwarzen Bewegungen in Brasilien zwischen 1977 und 1988 begleitet. Parallel zu rassismuskritischen Debatten sehen wir musikalische und religiöse Zeremonien und Rituale. Gefilmt in Brasilien, Senegal, Mali und Côte d’Ivoire, werden die Verflechtungen zwischen transatlantischen Diasporagruppen und dem afrikanischen Kontinent sichtbar. ÔRÍ begleitet mit sinnlichem Blick eine Phase politischer und kultureller Aufbruchsstimmung – mitten in der brasilianischen Militärdiktatur – und wirft bis heute offene Fragen auf: Wie lässt sich Rassismus bekämpfen – als Herausforderung, um unser globales Überleben zu ermöglichen? Und wie können Kategorien von race über lokale Kontexte hinaus neu gedacht werden – in ihrer gewaltvollen Dimension ebenso wie als Möglichkeit transnationaler Bündnisse?
Jenseits romantisierender Erinnerungskultur entwirft Nascimento Quilombo, ausgehend von Zufluchtsorten geflohener Versklavter, als ein Konzept in Bewegung, ein Prinzip von Gemeinschaft und Widerstand – ein fortwährendes aquilombar-se (ein Quilombo werden oder bilden), das bis heute kollektive Handlungsräume eröffnet. Mit Originalmusik des Percussionisten Naná Vasconcelos denkt der Film Quilombo als praktische Möglichkeit, durch Commons das Leben gemeinschaftlich zu bestreiten.
Nach der Premiere 1989 erhielt ÔRÍ mehrere internationale Auszeichnungen. 2009 wurde er restauriert und neu veröffentlicht.
Live online Q&A mit Raquel Gerber.
Raquel Gerber
Raquel Gerber ist Filmemacherin, Soziologin und Historikerin. Sie begann die Dreharbeiten zu ÔRÍ 1977 in São Paulo, u. a. in Zusammenarbeit mit Jorge Bodanzky, und realisierte den Film nach 11 Jahren Produktionszeit. Als (Co-)Produzentin war sie an Spielfilmen von Héctor Babenco (O Rei da Noite, Lúcio Flávio), Jorge Bodanzky (Os Muckers) und Orlando Senna (Diamante Bruto) beteiligt. Gerber arbeitete lange mit der Cinemateca Brasileira und forschte mit Glauber Rocha (1973–1980). Sie publizierte u. a. O Mito da Civilização Atlântica. Seit Ende der 1970er dokumentiert sie Schwarze Gemeinschaften.
Filme von Raquel Gerber
Ongamira – O Tempo Não Existe 2014 | ABÁ 1992 | Ylê Xoroquê 1981