God Will Not Help
Hana Jušić
»Figuren wie Teresa und Milena könnten heute ganz leicht unter uns sein: Frauen, die die Strukturen ins Wanken bringen, die versuchen, sie zu disziplinieren.« Hana Jušić
Wind peitscht über die kroatischen Berge. Eine geheimnisvolle Gestalt tritt aus der Dunkelheit. Teresa, zugleich Fremde und durch Heirat mit der Familie verbunden, spricht die lokale Sprache nicht. Milena, von ihren Hirtenbrüdern auf einem abgelegenen Hof zurückgelassen, bleibt in ihrer Gemeinschaft nahezu ungehört. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine fragile Bindung jenseits von Worten – getragen von Blicken, Gesten, gemeinsamer Arbeit und einer unvoreingenommenen Nähe, die allmählich wächst. Als ambivalente, rätselhafte Figur wirkt Teresa wie ein Störimpuls: Ihre bloße Anwesenheit bringt tradierte Machtstrukturen, Glaubenssätze und familiäre Hierarchien ins Wanken. Der Film bewegt sich in einem Zwischenraum aus historischem Western, Hexenjagd und Folk-Horror, in dem Misstrauen, Begehren und Schuld langsam an die Oberfläche drängen. Im Zentrum steht ein patriarchalisch organisiertes Gefüge aus Glaube, Besitz und Kontrolle, in dem weibliche Körper zu Projektionsflächen werden. Die Berge wirken wie eine physische Macht: Wind, Stein und Dunkelheit prägen Körper und Seelen derer, die in ihrer Weite bestehen müssen. Jana Plećaš’ eindringliche Kamera, raue Klanglandschaften und ein bewusst anachronistischer Elektro-Score lösen das Geschehen aus seiner Zeit und erzeugen eine moderne, verstörende Spannung. Mit strenger Form und beharrlicher Ruhe erzählt Hana Jušić von weiblicher Solidarität als leiser Gegenkraft – und von Nähe, die dort entsteht, wo Sprache versagt.
Gast: Hana Jušić
Deutschlandpremiere
Hana Jušić
Hana Jušić, geboren 1983 in Šibenik, Kroatien, ist eine kroatische Regisseurin und Drehbuchautorin. Nach mehreren Kurzfilmen gewann ihr Spielfilmdebüt Quit Staring at My Plate (2016) über dreißig Auszeichnungen, darunter FEDEORA für den besten europäischen Film bei den Venice Days und Beste Regie in Tokio. Jušić kombiniert psychologische Tiefe mit einer dichten visuellen Sprache und sensibler Beobachtung von Machtstrukturen und Identität. Ihre TV Serie The Last Socialist Artefact (2021) gewann Best Series beim Series Mania und wurde auf ARTE und Filmin ausgestrahlt. Ihr zweiter Spielfilm God Will Not Help (2025) feierte in Locarno Weltpremiere und brachte dort Pardo-Preise für Best Performance ein, was Jušićs Ruf als präzise, genreübergreifende Erzählerin festigte.
Filme von Hana Jušić
Quit Staring at My Plate 2016 | Short Circuits 2013 | Terrarium 2012 | Gnats, Ticks and Bee 2012 | The Chill 2011