Nunkui
Verenice Benítez
»Nunkui ist eine Geschichte des Widerstands, die aus der weiblichen Praxis der Gartenpflege und der Aufwertung der Geister der Erde entsteht. Ich möchte die Schönheit und den Schmerz des Erwachsenwerdens darstellen […], in einer feindseligen Welt und im Kampf für das Land.« Verenice Benítez
Es ist eine üppige Welt von Grün mit faszinierender Soundkulisse. Sie pulen in der Dämmerung Maiskolben und lachen mit dem Großvater über die Städter, die keine Gürteltiere kennen und mit spitzen Fingern essen. »Das sagst du nur, damit wir nicht von hier weggehen«, kichert Nunkui, »aber ich will in Quito studieren.« Die 13-jährige lebt bei ihrer Shuar-Großfamilie. Geschätzt 110.000 indigene Shuar leben in rund 650 Gemeinschaften im Amazonastiefland.
Nunkui heißt auch der weibliche Geist, der unter den Obstgärten lebt. Die alten Frauen bitten sie mit magischen Gesängen um die Versorgung ihrer Familien. Ihr animistischer Glaube an die Koexistenz von menschlichen und nicht-menschlichen Wesen steht diametral zur westlichen Sicht, dass unser Untergrund tot ist. Der Gemeinde droht akut die Vertreibung, denn Ecuadors Regierung treibt die Ausbeutung der Bodenschätze voran. Nunkuis Großvater Yaunchu (gespielt von Domingo Ankuash, einem bekannten Shuar-Anführer und Aktivisten) kämpft für die Verteidigung des Territoriums und eröffnet ihr die komplexen Widersprüche der Gegenwart. Mit surrealen Elementen und einem tollen nichtprofessionellen Cast verwebt die Regisseurin behutsam Nunkuis Reifungsprozess mit den virulenten sozial-ökologischen Fragen.
Gast: Verenice Benítez
Europapremiere
Mit Unterstützung des Goethe Institut
Verenice Benítez
Verenice Benítez absolvierte ein Studium der Filmregie in Paris, einen Master in International Series Writing in Madrid. Sie studierte außerdem Bildende Kunst in Ecuador und Kuba und besuchte mehrere Jahre das Nationalen Konservatoriums für Musik. Benítez ist professionelle Klarinettistin, im Musikprojekt VereTambora verbindet sie eigene Kompositionen mit ökologischen Themen. 2013 gründete sie mit Domingo Ankuash das Laboratorium Cámara-Shuar und dreht im Kollektiv mehrere Kurzfilme, darunter Nunkui aujmáttasmu, eine Interpretation des Mythos vom weiblichen Geist des Obstgartens. Als Teil ihrers Masters Programms war sie Co-Autorin der fiktionalen Serie Osa del Chocó, gemeinsam mit Drehbuchautorinnen aus Spanien, Peru und Venezuela. Aktuell arbeitet sie an dem Spielfilm Osa del Chocó und ihrem Musikprojekt VereTambora.
Filme von Verenice Benítez
Nunkui aujmáttasmu (Kurzfilm) 2022