Sechswochenamt
Jacqueline Jansen
»Ich hatte Angst, sie beim Gehen zu stören. Ich habe immer eine neue Kerze angemacht, weil ich gedacht habe, wenn die einmal aus ist, dann ist auch Mama nicht mehr da. Als Mama starb, da brannte die Kerze einfach weiter.« Jacqueline Jansen
Ein letzter Atemzug, dann ist die Mutter tot, viel zu früh. Die Zeit steht still und markiert den Beginn dieses autofiktionalen Spielfilmdebüts. Ganz allmählich dringt ins Bewusstsein der 25-jährigen Lore, was nun alles ansteht nach dem Unfassbaren. In der katholischen Tradition markiert das Sechswochenamt das Ende der ersten Trauerphase. Bis zu diesem Zeitpunkt ackert sich Lore, zurück im heimischen Erkelenz, störrisch durch all die Anforderungen – der Bürokratie, der Familie, der Nachbar*innen, der Wohnung und der Trauer. Draußen riegelt COVID gerade die Welt ab, ein Nebel aus Verunsicherung und Selbstbezogenheit liegt über der Kleinstadt. Vor dieser Folie erzählt der Film von der Einsamkeit, die einen nach dem Verlust eines geliebten Menschen umhüllt. Jacqueline Jansen arbeitet mit Laien-Schauspieler*innen aus der Region, beschränkt sich in rohen Bildern auf das Wesentliche und erreicht damit eine dokumentarisch anmutende Wahrhaftigkeit. Wann hat man die sperrigen und ambivalenten Niederrheiner*innen so auf der Leinwand gesehen – witzig, mitfühlend und zugleich auf den eigenen Vorteil bedacht? Diese Mundart, die so genau weiß, was »normal« ist und »watt sisch jehööt«? Lore stemmt sich gegen diese Konventionen und findet darin ihren Weg, Abschied zu nehmen, auch von der eigenen Kindheit.
Gast: Jacqueline Jansen
NRW-Premiere
Am 26.04. findet um 18:00 Uhr die Preview von Sechswochenamt in der Schauburg in Dortmund statt.
Preise für »Sechswochenamt«
Förderpreis neues deutsches Kino für die beste produzentische Leistung (Jacqueline Jansen) und für die beste schauspielerische Leistung (Magdalena Laubisch), FIPRESCI-Preis – Filmfest München 2025
Jacqueline Jansen
Jacqueline Jansen,1994 in Erkelenz geboren, wuchs auf einem Kohlbauernhof auf. Die autodidaktische Filmemacherin arbeitete seit 2013 an über vierzig nationalen wie internationalen Filmsets, immer im inhaltlichen und organisatorischen Bereich. Neben Kurzfilmen und Musikvideos realisiert sie in den Jahren 2014–17 in Deutschland und den USA ihren ersten dokumentarischen Langfilm No Way Home über einen Landwirt, der sein bisheriges Leben hinter sich lässt. Ihr Spielfilmdebüt Sechswochenamt entwickelt sie in den Anfängen der Pandemie mit einem außergewöhnlichen Finanzierungsmodell jenseits der Filmfördersysteme. Als Mitbegründerin des Vereins KunstFreiheitFilm e. V. engagiert sich Jansen für eine nachhaltige Förderung von Film- und Kunstprojekten, besonders für Autodidakt*innen.
Filme von Jacqueline Jansen
Alles geschieht heute 2021 | No Way Home 2019 | Be Care Full 2016 | Igor 2015