Vena
Lisa Jilg (DoP)
Female Gaze – CineOne & sPOTTlight Nationaler Preis für beste Bildgestalter*in Spielfilm
Begründung der Jury (Greta Isabella Conte, Eva Maschke, Gisela Tuchtenhagen)
Die Kameraarbeit von Lisa Jilg in Vena ist von einer Radikalität, die keine Distanz zulässt. Sie ist mutig, schonungslos und von einer dokumentarischen Qualität, die das Publikum hineinzieht – in das Leben, den Körper und den inneren Kampf der Protagonistin Jenny. Die Kamera bewegt sich nah an den Figuren. Sie hält es da aus, wo es wehtut. Sie weicht nicht aus, wenn Enge, Kontrollverlust und Abhängigkeit den Raum bestimmen. Diese bewegte, rohe Bildsprache erzeugt eine physische Nähe, die man selten so kompromisslos sieht und die dadurch eine enorme emotionale Wucht entfaltet. Besonders eindrücklich ist das Zusammenspiel von Kamera und Licht. In der Plattenbauwohnung, den Fluren, den Räumen des Drogenkonsums unterstützt das Licht konsequent die Tristesse und Ausweglosigkeit. Es wird bewusst Dunkelheit in Kauf genommen und auf Augenlicht verzichtet.
Kalte, harte oder fahle Lichtstimmungen verdichten das Gefühl von Gefangensein in der Sucht. Doch Vena bleibt nicht in dieser Dunkelheit stehen. Mit Jennys Entschluss, einen Entzug zu machen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und eine Mutter für ihre noch ungeborene Tochter Lexa werden zu können, öffnet sich das Licht, wird weicher, lässt mehr Raum zu, erzählt von innerer Kraft, von Hoffnung und einem mühsam erkämpften Neuanfang.
Auch wenn Jenny ihre Tochter kurz nach der Geburt in Obhut geben muss, spürt man in jeder einzelnen Einstellung die unendlich große Liebe, die sie für ihre Tochter empfindet. Lisa Jilg gelingt es, mit ihrer Bildgestaltung einen Zustand erfahrbar zu machen. Ihre Kamera sieht hin und entwickelt dadurch eine unbändige Kraft.
Gast: Lisa Jilg
Lisa Jilg (DoP)
Lisa Jilg wuchs in München auf und fand über die analoge Fotografie und die Arbeit an Fotoserien ihren Weg zum Studium der Kamera an der Filmakademie Baden-Württemberg. Dort schloss sie 2024 mit dem Spielfilm Vena und dem ZEIT-Magazin-Werbefilm Tell Me What You Want ab. Ihre Projekte zeichnen sich durch eine klare visuelle Nähe zu den Figuren, eine Bildsprache voller Liebe zum Detail und ein feines Gespür für die rauen – aber auch magischen – Momente des Alltags aus. Ihr fotografischer Blick beeinflusst ihre Arbeit bis heute. Lisa legt in ihrer Arbeit einen starken Fokus auf Female Empowerment und eine intuitive Erzählweise.
Filme von Lisa Jilg (Bildgestaltung)
Au Pair 2025 | Vivre 2025 | There You Go 2024–25 | Der Badeanzug 2025 | Miro 2024 | Feminine Borderlines 2023 | Titaninnen 2023 | Polizeiakademie 2022 | William Fan – in Between 2022 | Vika 2021