Noghteh-e-Goriz
The Vanishing Point
Bani Khoshnoudi
Ein leerer Küchentisch, darauf eine bunte Tischdecke. Verlassene Orte. Fotografien im Familienalbum. Verblasste Erinnerungen. Eine Annäherung an die Unmöglichkeit, zu beschreiben, wie es sich anfühlt in Teheran zu leben oder mit Herz und Kopf im Exil. Bani Khoshnoudi erzählt uns Geschichten des Familienalbums, erinnert das Verschwinden ihres Cousins, ruft Situationen voller Ohnmacht hervor. Dabei werden Bilder aus dem Alltagsleben Teherans zu Möglichkeiten, in denen etwas kippen kann: die Stimmung immer kurz davor, neuer Nullpunkt zu sein. Die Revolution in den Köpfen schon so oft beinah gelungen. Die Proteste hallen nach, der Mut wird bestärkt, aber nie belohnt. Eine ewige Spirale der Verluste, ein Sog der Erinnerungen. Ein Film, der uns vergegenwärtigt, dass wir nur an den Bildschirmen verstehen, was es heißt, ein Kind des Irans zu sein, was es bedeutet, eine Revolution zu halten. Dort, wo so viele Menschen auch jetzt wieder für den Umbruch im Land sterben müssen, macht The Vanishing Point deutlich, dass sie nie vergessen sein werden. Insbesondere erkennen wir einmal mehr, dass es die Frauen des Iran sind, die als Mütter, Schwestern und Freundinnen eine Revolution emotional tragen – die Traumaarbeit als Lebensaufgabe haben. Eine Arbeit, die zur Sorge erwächst und keine Erholung kennt. Dabei werden Berührungen zwischen Exilierten und Gebliebenen sichtbar – darin liegt ein zukunftsweisendes Moment von friedlicher Verbundenheit.
Gast: Bani Khoushnoudi
Preise für »The Vanishing Point«
Visions du Réel, Jurypreis Burning Lights-Wettbewerb
Bani Khoshnoudi
Bani Khoshnoudi ist Filmemacherin und Künstlerin, geboren in Teheran, aufgewachsen in den USA. Nach dem Studium von Architektur, Fotografie und Film an der University of Texas at Austin wechselte sie zu Visual Arts am Whitney Museum of American Art in New York. Ihre Arbeiten thematisieren Verdrängungen und Entwurzelungen. Sie arbeitete mit Harun Farocki und Antje Ehmann an Labor on a Single Shot in Mexiko und wurde 2024 zur 60. Biennale di Venezia eingeladen. Ihr Dokumentarfilm The Silent Majority Speaks, der im Libanon und im Iran verboten wurde, ist ein politisches Fresko über 100 Jahre politischer Revolten im Iran, das von Nicole Brenez als einer der zehn wichtigsten Filme des Jahrhunderts bezeichnet wurde.
Filme von Bani Khoshnoudi
El Chinero, A Phantom Hill 2023 | Sap 2022 | The Outlander 2019 | Benizit 2019 | Fireflies 2018 | Transit(s): Our Trances, Our Ruins 2016 | Ziba 2012 | The Silent Majority Speaks 2010 | A People in the Shadows 2008 | Transit 2005 (Kurzfilm)