Soñé su nombre
I Dreamed His Name
Ángela Carabalí
Spuren sind der Beginn von Handlungen – eine Fotografie zwischen Reiskörnern, eine leichte Silhouette über dem Feld und ein Traum. In diesem wird Ángela von ihrem Vater gerufen. Ein Ruf, der die Vergangenheit weckt und sie mit der Gegenwart zweier Schwestern verbindet. Sie entscheiden, ihren Vater, der vor vielen Jahren in Kolumbien verschleppt wurde, zu suchen. Dort, wo die »Desaparecidos« – die Verschwundenen Südamerikas – bleibende Lücken und Leid hinterlassen haben, beginnen die beiden Frauen noch einmal eine neue Suche. Dabei findet die Bildgestaltung immer wieder neue Ansätze, uns auf eine Reise mitzunehmen, die zur Geste einer Heilung wird. Der Verlust eines Vaters wird durch die Bilder von Ángela und Juliana Carabalí zu einer größeren Kontextualisierung von Kolonialismus und eröffnet uns die Möglichkeit, die Schatten der Vergangenheit zu transformieren. Nie verloren in einer Wunde, sondern immer auf der Suche nach Dialog und Bewegung, wird ihr Weg zum gemeinschaftlichen Ausweg, um einer historisch gewachsenen Ohnmacht zu entkommen. Im Gespräch mit anderen aktivistischen Farmer*innen werden deren Perspektiven und Verbindungen zur Geschichte des indigenen Landes deutlich. Wo soziale Konflikte auf bewaffnete landwirtschaftliche Kämpfe folgen, wird das Dickicht der Erinnerungen zu einem Puzzle. Aufgelöst werden kann es nur im Akzeptieren: Antworten werden niemals das Ende einer Suche sein. So aber kann ein andauernder Dialog und die Kraft des Kinos dabei helfen, mit anderen Augen auf ein persönliches Schicksal zu blicken.
Gast: Juliana Carabalí
Deutschlandpremiere
Preise für »I Dreamed His Name«
Hot Docs – Special Mention Joan VanDuzer Special Jury Prize-International Feature Documentary
Ángela Carabalí
Ángela Carabalí ist eine afrokolumbianische Dokumentarfilmerin mit zwei Master-Abschlüssen: in Dokumentarfilm und in Dokumentarfotografie. Sie ist Mitbegründerin von Carabalí Films & New Media, einem Unternehmen, das sich auf soziale und ethnische Themen sowie transmediale Erzählformen konzentriert. Sie ist Regisseurin, Drehbuchautorin und Koproduzentin des interaktiven Dokumentarfilms Criers of Medellín (Dok Leipzig, MIT Docubase) sowie Stipendiatin des Sundance Institute, von Firelight Media und des Solutions Storytelling Project: Latin America. I Dreamed His Name ist ihr erster Langfilm.