Les deux visages d’une femme Bamiléké
The two faces of a Bamiléké Woman
Rosine Mbakam
Alles beginnt im Dunkeln. Rosine Mbakam kehrt nach sieben Jahren in Europa zurück nach Yaoundé. Von hier aus wird erzählt. Ins Dunkel hinein und aus ihm hinaus.
Sie trifft ihre Mutter: »Was ist Kino für dich?« – »Etwas, wo wir Dinge sehen können, die wir kennen, und auch, die wir nie selbst erleben werden.« Mâ Brêh, die Mutter von Mbakam, wächst in der Zeit der Maquis, der Unabhängigkeitskämpfe gegen die französische Kolonialmacht, im ländlichen Kamerun auf. Mit 18 heiratet sie einen ihr bis dahin Unbekannten. Sie gebiert Kinder, lebt eine Weile mit einer zweiten Ehefrau des Mannes. Sie macht sich unabhängig als Markthändlerin. Sie überlebt den Tod eines Sohnes und ihres Mannes.
Mbakam lotet den Abstand zwischen sich und ihrer Mutter aus – und die Verbindungen. Sie selbst ist Mutter geworden in den Jahren ihrer Abwesenheit. Sie stellt ihren Sohn vor, holt Rituale nach, die es im europäischen Wochenbett nicht gab. Sie wird noch mal zur jüngsten Tochter. Bei einem Treffen mit den Schwestern der Mutter erzählen die Frauen sich von ihren Ehen. »Ist es ein Problem, dass ich einen Europäer geheiratet habe?« – »Überhaupt nicht! Hauptsache, ihr liebt euch. Du wirst seine Traditionen kennenlernen.«
Die Begegnung mit der Mutter ist eine Suche nach Prägungen, aber auch der Eigenheit des Lebensweges der Tochter. Mit Respekt vor dem Unerzählbaren taucht Mbakam in ihrem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm tief ein in die Geschichte ihrer Familie und damit auch in gesellschaftliche und politische Verwebungen. Es leuchten Lichter im Dunkeln.

Rosine Mbakam
Geboren in Kamerun, kam Rosine Mbakam früh über die italienische NGO COE zum Film. In Douala arbeitete sie u. a. als Redakteurin, Regisseurin und Moderatorin bei STV. Ihr Studium an der belgischen Filmschule INSAS schloss sie mit dem vielfach ausgezeichneten Kurzspielfilm Tu seras mon allie ab. 2014 gründete sie Tândor Productions in Belgien mit Geoffroy Cernaix. 2018 gründete sie in Kamerun die Produktionsfirma Tândor Films und initiierte Caravane Cinéma für den Vertrieb afrikanischer Filme in Kamerun. 2021 realisierte sie in Co-Regie Prisme über das Filmen von schwarzer Haut. 2023 lief ihr Spielfilmdebüt Mambar Pierette im internationalen Wettbewerb des IFFF. Der New Yorker bezeichnete sie als eine der wichtigsten Dokumentarfilmer*innen der Gegenwart.
Filme von Rosine Mbakam (Auswahl)
Mambar Pierette 2023 |Prisme 2021 |Les prières de Delphine 2021 |La majorité invisible 2020 | Chez jolie coiffure 2018 |Les deux visages d’une femme Bamiléké 2017| Tu seras mon allie 2012
Preise für The Two Faces of a Bamiléké Woman:
First Award Documentary – Festival London Feminist
Award of the Flemish UNESCO commission – Afrika Film Festival
First Award Documentary – Do Pao International Documentary Film Festival (PT)
Special Mention of the Jury – Festival Ecrans Noirs (CM)
Best Documentary First Work & Special Mention young public – FIDBA (AG)
Special Mention in the feature length documentaries – Festival du film documentaire de Saint-Louis (FR)
Special Mention of the Jury – Filter à tout prix (BE)