Spielplan

Der zweite Anschlag

Mala Reinhardt

DE
2018
Dokumentarfilm
62’
Fokus

»Bei Der zweite Anschlag war es mir wichtig, den Protagonist*innen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Perspektiven darzustellen. Viel zu oft schon wurden die Geschichten von Betroffenen an die Peripherie gedrängt, es wurde über sie erzählt statt mit ihnen zu reden.« Mala Reinhardt

Mit erschreckender Kontinuität wiederholen sich seit Jahrzehnten rassistisch motivierte Angriffe, gewaltsame Übergriffe bis zu Mordanschlägen und Drohungen gegen Menschen mit migrantischem Hintergrund, die in Deutschland leben und arbeiten. In Der zweite Anschlag schildern Betroffene dieser Gewalt die traumatischen Erlebnisse, die sie und ihre Familien – auch durch die mangelhafte Aufarbeitung in den Jahren danach – durchleben mussten. Das Erzählen und Erinnern nach langem Schweigen wird zu einem Akt der Selbstermächtigung und des politischen Handelns. Einer der Protagonist*innen ist Ibrahim Arslan, der den rassistischen Brandanschlag von Mölln im Jahre 1992 als Siebenjähriger nur knapp überlebte. Für seine Schwester, Cousine und Großmutter kam jede Hilfe zu spät. Heute kämpft Ibrahim Arslan – so wie viele andere, die sich mittlerweile vernetzt haben – aktiv um die Deutungshoheit seiner eigenen Geschichte. Nach dem Anschlag war seine Familie weiteren Anfeindungen durch Öffentlichkeit, Behörden und Medien ausgesetzt. Dieser zweite Anschlag, so Arslan, war schlimmer als die Brandsätze, denn er wäre vermeidbar gewesen. Da er in die Planungen der jährlichen Trauerfeier der Stadt Mölln nicht eingebunden wird, organisiert er eine eigene. Mit diesem öffentlichen Sprechen inspiriert er andere, so wie Osman Taşköprü, dessen Bruder Süleyman 2001 in Hamburg vom NSU umgebracht wurde. Jahrelang ermittelte die Polizei gegen Osman und seine Familie. Auf dem NSU-Tribunal in Köln begegnet er weiteren Betroffenen und Menschen, die ihn unterstützen. (BS)

 

Regie

Mala Reinhardt

Bildgestaltung

Patrick Lohse, Katharina Degen

Montage

Federico Neri

Ton

Kate Blamire, Gerald Mandl

Musik

Macarena Solervicens

Produktion

Kate Blamire, Benjamin Cölle, Katharina Degen, Patrick Lohse, Mala Reinhardt

Kontakt

Mala Reinhardt

Mala Reinhardt

Mala Reinhardt studierte Ethnologie in Köln und verbrachte für ihre Abschlussarbeit mehrere Monate in Indien und Uganda. Ihr Film Rupa wurde auf verschiedenen deutschen und internationalen Filmfestivals gezeigt. 2015 zog sie nach Berlin, wo sie ein Jahr lang Dokumentarfilmregie an der filmArche studierte, bevor sie im Oktober 2017 ihr Masterstudium Regie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf begann.


Filme von Mala Reinhard
Nhà Ba Hoa – Haus der drei Sonnenblumen (Short) 2017 | Rupa (Short) 2016