beißpony – The Golden Age of Discomfort

beißpony – The Golden Age of Discomfort

Stephanie Müller, Laura Theis

Eine Performance in der Komfort-Zone

Boxer mit Berührungsangst und ein Kuschel-Karies mit Sprachmodul: in Oxford entsteht das Songwriting und in München werden Kostüme, Videos und Soundscapes für die Live-Performances entwickelt – das Kollektiv um das Duo beißpony platzt vor Ideen. Auf dem Debüt Album Brush Your Teeth (Chicks On Speed Records) stimmt eine singende Nähmaschine ins Schreibmaschinenklackern ein. Piano und Gesang treffen auf die Geräuschkollagen eines Spielzeugorchesters, während das raue Schlagzeug zum Kontratanz auffordert.
Für Katja Englhardt vom Bayerischen Rundfunk ist das Album ein »Plädoyer für die Emanzipation«, bei dem »an jeder Ecke ein neues Zitat, ein anderes kluges Cover, eine neue gesellschaftliche Einstellung steckt«. Kritische Perspektiven werden bei beißpony, so die Süddeutsche Zeitung, mit Humor und »einer zielgenauen Kraft in den Gedanken der Hörer platziert«. Laura und Stephanie scheuen die Auseinandersetzung mit dem Unbehagen nicht.
In der Rauminstallation to seek out, to explore, to doze, to snooze der Klasse Shana Moulton nisten sich die beiden als Konzert-Ambulanz ein. Eingekleidet in umgestaltete, einst sterile OP-Kittel, werden sie neben Schlagzeug und E-Piano mit textilen Klangapparaturen Musik erzeugen. Mitten im Instrumental-Set thront eine singende Nähmaschine auf dem Seziertisch. Hier entstehen begleitend zur Musik-Performance textile Prothesen, die die Gäste auf humorvolle Weise aus der eigenen Komfortzone herauslocken. Berührungsängste werden in surreale Objekte transformiert
und so greifbar gemacht. Dabei können Objekte wie »Scheuklappen Deluxe« oder ein »Schnupfenverstärker im Erkältungsgewand« entstehen. Das Publikum ist eingeladen, diese Prothesen auszuprobieren und gemeinsam mit beißpony die eigene Komfortzone zu verlassen.
Auf dem IFFF Dortmund | Köln ist das Video Terror of the District von beißpony in der Langen Filmnacht zu sehen.

Stephanie Müller

Stephanie Müller absolvierte ein Masterstudium in Kommunikationswissenschaften an der LMU in München und in Kunsttherapie an der Akademie der Bildenden Künste München. 2004 rief sie das Textil- und Performancekunstprojekt »rag*treasure« ins Leben. 2006 gründete sie mit Laura Theis das Experimentalmusikprojekt »beißpony«.


Filme von Stephanie Müller und Klaus Erich Dietl (Auswahl)
Masochistic Time Machine 2015 | Querschläger 2014 | Splitterwochen 2014 | My Name Is Luka, Call Me Catherine 2012 | Montgomery Leaves His Garden 2011

Laura Theis

Laura Theis hat in München Theaterwissenschaft und Literatur studiert und lebt als freie Autorin und Songwriterin in Oxford.