Vulva 3.0 – Zwischen Tabu und Tuning
Claudia Richarz, Ulrike Zimmermann
»›Das Zeigen der Vulva vertreibt Bären und Löwen, lässt den Weizen höher wachsen, beruhigt Sturmfluten und Dämonen haben Angst davor. Der Teufel läuft weg. Das Zeigen der Vulva rettet die Welt.‹ Dieses kraftvolle Bild des weiblichen Genitales ist nicht in unserer Vorstellung verankert.«
–Claudia Richarz, Ulrike Zimmermann
Zwar scheint Nacktheit kein Tabu mehr zu sein, die Abbildung des weiblichen Geschlechts aber nach wie vor irritierend und mit vielfältigen Verboten belegt. Jahrzehnte der Retusche in den Medien, Anti-Pornografie-Kampagnen und Abbildungsverbote führen zu einem öffentlichen Bild der Vulva, das wenig mit ihrer Realität zu tun hat. Es herrscht das Schönheitsideal der Unsichtbarkeit.
In Vulva 3.0 geht es um die Repräsentation und die Modellierungen des weiblichen Genitals, anatomische Irrtümer sowie die Schönheit und Einzigartigkeit des weiblichen Wolllustorgans.
Mit ihrer umfangreichen und sachlichen Recherche zur Geschichte dieses Teils der weiblichen Anatomie im 21. Jahrhundert durchleuchten die Regisseurinnen sämtliche Aspekte des Themas, vom Aufklärungsunterricht bis zur Zensur, vom Retuschieren »unförmiger« Schamlippen in pornografischen Bildern bis zu der Arbeit von Aktivist*innen gegen Genitalverstümmelung – und feiern damit die Vielfalt weiblicher Körper.
Claudia Richarz
Claudia Richarz ist Dokumentarfilmemacherin und Mutter von zwei Söhnen. Sie war 1978 Mitbegründerin des Frauenmedienladens bildwechsel in Hamburg. Ende der 90er wurde sie für die Dokumentarserie Abnehmen in Essen mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Ihr Kinofilm Vulva 3.0 (zusammen mit Ulrike Zimmermann) feierte 2014 Weltpremiere auf der Berlinale. Ihr Kinofilm Helke Sander: Aufräumen (2023) lief auf zahlreichen Festivals im In- und Ausland.
Filme von Claudia Richarz (Auswahl)
Schau mich an 2017 | Das Nummerngirl 1989 | Der Zug aus Leipzig 1989 | Anti-Aids-Spot 1988 (mit Jochen Hick) | Endlich eine Prinzessin 1986 | Ich wandle unter Blumen 1985 | Staubsaugen 1985 (mit Andrea van der Straeten) | Fortunella 1980 | Buttergemüse 1980
Ulrike Zimmermann
Ulrike Zimmermann wurde 1960 in Hamburg geboren. 1988 machte sie ihr Diplom an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, im Fachbereich Film. 1989 gründete sie die MMM Filmproduktion und arbeitet seitdem in der Produktions- und Herstellungsleitung sowie als freie Produzentin.
Filme von Ulrike Zimmermann (Auswahl)
Venus 220 Volt-Lust im Haushalt 1991 | Die erregte Frau in der Diskothek 1989 | Touristinnen – Über und unter Wasser 1986 | Free Fucking 1985