Alleine Tanzen
Biene Pilavci
Einen Film mit der eigenen Familie zu machen, ist manchmal der einzige Weg, um einen unparteiischen und weniger zensierten Raum für die Geschichten der einzelnen Familienmitglieder und sich selber zu schaffen und Erlebtes gerade auch durch die Anwesenheit und Zeug*innenschaft der Kamera und eines Teams besprechbar zu machen – auch erlebte Gewalt. Biene Pilavcis Film ist eine feministische Analyse einer heteronormativen Familie und eine türkisch-deutsche diasporische Familiengeschichte. »Kann ich es je schaffen, glücklich zu werden? Wenn schon meine Eltern und deren Eltern es nicht geschafft haben?« Tagebucheintragungen und alte VHS-Aufnahmen bilden das Fundament für diesen beeindruckenden Familienfilm. Nicht nur wird die Familiengeschichte aus den verschiedenen Perspektiven der einzelnen Familienmitglieder erzählt. Pilavci bearbeitet gesellschaftliche Tabus und formuliert dabei auch eine Kritik an den erschwerten, rassistischen Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Familie in Deutschland. Es ist zudem ein bemerkenswerter Versuch eines alle Beteiligten einbeziehenden Familiendialogs. Durch den gemeinsamen filmischen Prozess schafft sie eine Chance und eine Form von Empowerment für Teile ihrer Familie und sich selber und involviert so auch das Publikum mit ihrem analytischen Blick auf die kleinste Einheit der Gesellschaft – die Familie. Einem Blick auf Familie und Gesellschaft, dem sich keine*r wirklich entziehen kann.
Gast: Biene Pilavci
Preise für »Alleine Tanzen«
Lobende Erwähnung der Jury – DOK.fest München
Bester Dokumentarfilm – Achtung Berlin
Bester Dokumentarfilm – Antalya Golden Orange Film Festival
Bester internationaler Dokumentarfilm – Astra Filmfestival Sibiu/Rumänien
Bester internationaler Dokumentarfilm – Cronograf, Chișinău/Republik Moldau
Biene Pilavci
Biene Pilavci ist eine deutsch-türkische Filmemacherin, Autorin und Kuratorin, bekannt für ihre Regiearbeiten wie den autobiografischen Dokumentarfilm Alleine Tanzen (2012) und Chronik einer Revolte – Ein Jahr Istanbul (2015) gemeinsam mit Ayla Gottschlich (Kleines Fernsehspiel ZDF/ARTE). Sie co-kuratierte mehrere Filmreihen, darunter das Zusatzprogramm im Berlinale Forum FIKTIONSBESCHEINIGUNG und GRENZEN IN DER MITTE. Sie ist Mitbegründerin der filmpolitischen Initiative NichtMeinTatort, des politischen Filmnetzwerks Neue deutsche Filmemacher*innen und war 2020/21 Stipendiatin des Berliner Senats für Kunst und Europa sowie 2024 Stipendiatin der Tarabya Kulturakademie in Istanbul. Seit 2024 ist sie Mitglied der Europäischen Filmakademie.
Filme von Biene Pilavci
Fiktionsbescheinigung – eine Einführung 2022 | Chronik einer Revolte – Ein Jahr Istanbul 2015 (Co-Regie) | Riss 2010 | Die Abweichung 2009 | Die Rote & Zora 2008 | Knoten im Teppich 2006 | Alleine Tanzen 2005 | Çok Yaşa! (Lebe lang!) 2005